Zwei Frauen im Gespräch

Endlich Soziotherapie in NRW

Vertrag zwischen Krankenkassen und NRW-Wohlfahrtsverbänden zur Erbringung von Soziotherapie für psychisch erkrankte Menschen in Kraft getreten

Nach langen Verhandlungen ist zum 1. März 2021 ein Vertrag zwischen Verbänden der Krankenkassen und der Landesarbeitsgemeinschaft der nordrhein-westfälischen Wohlfahrtsverbände (LAG Freien Wohlfahrtspflege NRW), der auch der Paritätische NRW angehört, zur Erbringung von Soziotherapie in Kraft getreten. „Die Freie Wohlfahrtspflege kann nun endlich Leistungen der Soziotherapie flächendeckend zur Verfügung stellen“, sagt Dr. Frank Johannes Hensel, Vorsitzender der LAG.

Soziotherapie hilft bei Krisenbewältigung

Soziotherapie helfe Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, notwendige medizinische Hilfe zu bekommen. Ob in der häuslichen Umgebung, oder nach einem Klinikaufenthalt, Soziotherapie könne helfen, in schwierigen Situationen Krisen zu bewältigen und gesund zu werden, so Hensel.

Eigentlich schon seit 20 Jahren eine Pflichtleistung

Soziotherapie ist in Deutschland eine im Sozialgesetzbuch definierte Versorgungsleistung und umfasst Trainings- und Motivationsmethoden sowie Koordinierungsmaßnahmen. Sie muss ärztlich oder psychotherapeutisch verordnet und von der zuständigen Krankenkasse genehmigt werden. Die Leistung der Soziotherapie wurde schon vor 20 Jahren als Pflichtleistung der Krankenkassen im Sozialgesetzbuch (SGB) V verankert. Dank des nun abgeschlossenen Versorgungsvertrages kann sie endlich den Menschen in ganz NRW zur Verfügung gestellt werden. „Es wurde höchste Zeit, dass eine Pflichtleistung der Krankenkassen, die zeitlich parallel zur Einführung des Euro im SGB V verankert wurde, nun auch bei den Menschen ankommt“, sagt Hensel.

Bis zu 120 Stunden aufsuchende Unterstützung möglich

„Wir gehen davon aus, dass ab April oder Mai diese Leistung konkret durch unsere Träger durchgeführt werden kann“, sagt Andreas Langer, Sprecher des Fachausschusses Gemeindepsychiatrie der LAG Freie Wohlfahrtspflege NRW und Fachreferent Sozialpsychiatrie beim Paritätischen NRW. „Wir hoffen darauf, dass Ärzte und Psychotherapeuten diese Leistung im Bedarfsfall auch wirklich verordnen. Dies würde die Grundlage für bis zu 120 Stunden fachkundige aufsuchende Unterstützung ermöglichen.“

Appell an nicht beteiligte Krankenkassen

Die Verhandlungen dieses konkreten Vertrages zwischen Wohlfahrtspflege und Krankenkassenverbänden haben fast drei Jahre gedauert. „Wir möchten den beteiligten Kassen für die vertrauensvollen und zielführenden Verhandlungen danken. Einen Vertragsabschluss in Zeiten von Corona zu vollenden, hat allen Beteiligten viel abverlangt“, sagt Eric Lanzrath, Vorsitzender der Kommission Pflegeversicherung der LAG Freie Wohlfahrtspflege NRW. „Wir appellieren nun an die nicht beteiligten Krankenkassen in NRW, diesen Vertrag ebenfalls abzuschließen oder wenigstens gegen sich gelten zu lassen. Die hilfebedürftigen Mitbürger*innen haben einen Anspruch auf diese Leistung. Soziotherapie kann ihnen dabei helfen wieder gesund zu werden.“

Wohlfahrtsverbände mit starkem Angebot

Die Freie Wohlfahrtspflege in NRW vertritt circa 500 gemeindepsychiatrische Einrichtungen und etwa 100 psychosoziale Beratungsstellen.




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