Pflegekraft mit Mundschutz

Reihentestungen in der Pflege

NRW-Wohlfahrtsverbände und private sowie kommunale Träger fordern gemeinsam mehr Schutz vor Corona

Die Landesarbeitsgemeinschaft der NRW-Wohlfahrtsverbände (Freie Wohlfahrtspflege NRW), der auch der Paritätische NRW angehört, und private und kommunale Träger von Pflegeeinrichtungen fordern regelmäßige Reihentestungen für Pflegebedürftige und Mitarbeitende in der stationären und ambulanten Pflege auf freiwilliger Basis.

Besondere Gefahr durch die Corona-Pandemie 

Pflegebedürftige Menschen sind in Deutschland durch die Corona-Pandemie besonderen Gefahren ausgesetzt, denn körperliche Distanz ist kaum möglich. Nach einer Studie der Universität Bremen waren 60 Prozent aller Covid-19-Verstorbenen Menschen, die stationär oder ambulant betreut wurden. Auch der Anteil der erkrankten Mitarbeitenden in Pflegeheimen und Pflegediensten liegt deutlich über dem Schnitt der Gesamtbevölkerung, er ist laut Studie doppelt bis sechsmal so hoch. Zudem gehören die Pflegebedürftigen zur höchsten Risikogruppe für schwere Infektionsverläufe.

Risiko wird steigen

Aktuell hat sich die Situation zwar entspannt, in den Pflegeeinrichtungen werden Schutzmaßnahmen gelockert. Mit dem Ende der Sommerferien dürfte sich die Infektionslage aber wieder verschärfen. Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Wohlfahrtspflege NRW und die privaten und kommunalen Einrichtungsträger gehen davon aus, dass das Risiko einer Covid-19-Ausbreitung in Pflegeeinrichtungen deutlich steigen wird und fordern deshalb, Reihentestungen endlich auf den Pflegebereich auszuweiten.

Pflege ist von Reihentestungen ausgeschlossen

„Es ist richtig, dass das Land allen Mitarbeitenden in Schulen und Kitas kostenlose Corona-Tests auf freiwilliger Basis ermöglicht. Nur so lässt sich verhindern, dass sich das Virus dort unbemerkt ausbreiten kann. Wir können allerdings nicht nachvollziehen, warum die Einrichtungen der stationären und ambulanten Pflege von diesen Reihentestungen immer noch ausgeschlossen sind“, kritisieren die Verbände der Leistungserbringer.

Recht auf Gewissheit und Sicherheit

Es sei ein Versäumnis, dass viele Menschen der höchsten Risikogruppe in Gefahr bringe. Die vielen Beschäftigten, die in den vergangenen Monaten einen wesentlichen Beitrag zum Schutz von Pflegebedürftigen geleistet haben, fühlten sich nun zu recht vor den Kopf gestoßen. „Bei der Einführung von Reihentestungen wurden sie einfach vergessen. Das ist unbegreiflich. Auch die Pflegebedürftigen und Pflegekräfte haben ein Recht auf Gewissheit und Sicherheit durch Reihentestungen!“

Forderung nach kostenlosen Reihentestungen

Im Zuge der weiteren Lockerungen, etwa bei den Besuchsregelungen in den Einrichtungen der stationären Altenhilfe, böten regelmäßige Reihentestungen bei Bewohner*innen und Mitarbeitenden einen wesentlichen Beitrag zum Schutz vor Infektionen. „Wir fordern deshalb, dass die kostenlosen Reihentestungen nicht nur für Schulen und Kitas, sondern auch für den Pflegebereich möglich sind.“

Rund 260.000 Mitarbeitende und 370.000 Pflegebedürftige betroffen

Betroffen sind davon allein in NRW rund 176.000 Menschen, die in mehr als 2800 stationären Pflegeeinrichtungen arbeiten und rund 180.000 Pflegebedürftige betreuen. 84.000 Menschen sind bei 2.800 ambulanten Pflegediensten tätig und betreuen 190.000 Menschen in ihrer Häuslichkeit.


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