Ein Bildungspate mit zwei Kindern bei der Hausaufgabenbetreuung.

Tauschprinzip: Bildung für Wohnen

Initiative bietet Mehrwert für Schulkinder, junge Erwachsene und benachteiligte Stadtteile

Beim Verein Tausche Bildung für Wohnen aus Duisburg, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, ist der Name Programm. Er sucht junge Menschen, die sich im Tausch für mietfreies Wohnen als Bildungspat*innen für Kinder aus benachteiligten Stadtteilen engagieren. So schlägt er gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Er sorgt für Bildungs- und Chancengerechtigkeit, lebt Integration, fördert ein nachbarschaftliches Miteinander und verhilft Auszubildenden, Studierenden und Freiwilligen zu einer Wohnung.

Voneinander profitieren

Kinder, die in strukturell benachteiligten Stadtteilen, wie Duisburg-Marxloh oder Gelsenkirchen-Ückendorf aufwachsen, erleben oft Armut, Benachteiligung und Stigmatisierung. Im undurchlässigen und oft ungerechten Schulsystem haben sie nur wenige Chancen. Der Verein Tausche Bildung für Wohnen will das ändern und den Kindern in diesen Stadtteilen zu mehr sozialer und gesellschaftlicher Teilhabe verhelfen. Dafür sucht er junge Menschen, die die Kinder als Bildungspat*innen in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung fördern. Im Gegenzug stellt der Verein ihnen mietfreien Wohnraum zur Verfügung.

„Stadtteilkinderzimmer“: Tauschbar

Aktuell gibt es in den Stadtteilen Duisburg-Marxloh und Gelsenkirchen-Ückendorf jeweils eine Tauschbar, den Bildungszentren des Vereins. Im August 2021 wird als dritter Standort eine Tauschbar in Witten-Mitte eröffnet. Die Kinder können in den „Stadtteilkinderzimmern“ spielen, lernen, Nachhilfe bekommen und einfach Zeit verbringen. Am Nachmittag betreuen die Bildungspat*innen vor Ort ihre eigene Gruppe von maximal fünf Kindern. Neben Sprach- und ganzheitlicher Lernförderung gestalten sie eine Freizeit- und Ferienbetreuung für die Kinder. Vormittags unterstützen die Bildungspat*innen Kinder in den umliegenden Schulen.

Sicherer Ort zum Lernen für Kinder

Das Integrationsprojekt richtet sich vor allem an Kinder, die Zuhause nicht die notwendige Unterstützung erhalten oder die zum Beispiel durch mangelnde Sprachkenntnisse Schwierigkeiten in der Schule haben. Durch die individuelle Betreuung in der Tauschbar durch den*die Bildungspat*in schaffen es viele Kinder, ihre Noten zu verbessern und mehr Spaß am Lernen zu haben. Mit Hilfe dieses Bildungszugangs können viele Kinder ihre Chance auf einen besseren Abschluss erhöhen, was langfristig für mehr Teilhabe und eine bessere Integration sorgt. Die Tauschbars erleben die Kinder dabei als sicheren Ort, an dem sie sich frei entfalten können.

Großer Mehrwert für Bildungspat*innen

Die Bildungspat*innen sind junge Menschen, die meist ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren, studieren oder eine Ausbildung machen. Zunehmend kämpfen sie im Ruhrgebiet mit Wohnungsnot und haben Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Durch ihre Teilnahme am Projekt, müssen sie sich nicht auf Wohnungssuche machen, sondern bekommen mietfrei ein WG-Zimmer zur Verfügung gestellt. Außerdem nehmen sie durch das eine Art Botschafter*innenrolle für strukturschwache Stadtteile ein und sind vor Ort präsent. Durch die verantwortungsvolle Aufgabe, die sie bei dem Projekt übernehmen, lernen sie, Vorurteile abzubauen und ihren Blick für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten zu schärfen.

Für ein besseres Image strukturschwacher Stadtteile

Auch die benachteiligten Stadtteile profitieren von dem Konzept: Wohnungsbaugesellschaften überlassen dem Verein einige der leerstehenden Wohnungen. Dadurch wird der Leerstand und seine ghettosierenden Folgen gemindert. Das führt zu einer Revitalisierung und Aufwertung der Stadtteile und zu einer Verbesserung von ihrem oftmals eher negativen Image. Durch die Gestaltung der Stadtteile mit allen Beteiligten wird gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht. Gleichzeitig setzt der Verein sich mit diesem Projekt für mehr Chancengerechtigkeit ein. Ziel ist es, Standorte in weiteren Städten, auch über das Ruhrgebiet hinaus zu eröffnen, um Kindern durch das Tauschprinzip Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen.

 

 

Bild: ©Dominik Asbach